Führende Wirtschaftsnationen brauchen mehr als $8 Billionen in 2017

5 Mai

Führende Wirtschaftsnationen brauchen mehr als $8 Billionen in 2017

Die auslaufenden Staatschulden von Regierungen der weltweit führenden Wirtschaftsnationen werden sich im Jahr 2017 auf mehr als $8 Billion belaufen. Steigende Zinssätze an den Bondmärkten haben für die meisten dieser Länder steigende Kreditkosten zur Folge. Vor allem Europas angeschlagene Eurozonenländer werden im Jahr 2012 im Fokus der Märkte stehen. Unterdessen wächst die Hoffnung vieler Investoren, dass die jüngsten Maßnahmen zur Liquiditätsflutung des europäischen Bankensystems durch die EZB die Refinanzierung der meisten Staaten erleichtern wird.

Vor allem die Länder der Eurozone stehen mit dem Rücken zur Wand

Allein Japan und die Vereinigten Staaten blicken in diesem Jahr zu einer Refinanzierung anstehenden Staatsanleihen in einem Gegenwert von $3 und $2,8 Billionen entgegen. Rechnet man die auslaufenden Schulden der G7-Staaten und der BRIC-Länder hinzu, ist das Ergebnis äußerst ernüchternd, da der Refinanzierungsbedarf dieser Nationen kumuliert bei mehr als $7,6 Billionen liegen wird. Experten an den Bondmärkten gehen aus diesem Grunde davon aus, dass die durchschnittlichen Zinsen auf 10-jährige Staatsanleihen bis zum Jahresende für die meisten dieser Länder steigen werden. Viele Bondinvestoren fordern ganz einfach höhere Zinsen, wenn sie das Risiko eingehen sollen Ländern Kapital zu leihen, die immer größere Probleme damit haben, ihre hünenhaften Schuldenberge zu refinanzieren. Gleichzeitig weisen die meisten Indikatoren auf eine Abschwächung der Weltwirtschaft hin, wodurch sich das Wachstum verlangsamen wird. Eine Bedienung und Refinanzierung der ausstehenden Staatsschulden bei gleichzeitig steigenden Zinsen wird für einige Regierungen dadurch umso schwieriger. Nicht nur Europas eskalierende Staatsschuldenkrise hängt wie ein Damoklesschwert über den internationalen Bondmärkten, sondern auch die Aussicht auf eine platzende Blase an Chinas Immobilienmärkten.

Laut Beobachtern wird der notwendige Refinanzierungsbetrag sogar $8 Billionen übersteigen, wenn anziehende Zinssätze in die Berechnungen inkludiert würden. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor’s den USA im vergangenen Jahr ihr AAA-Rating nahm und weitere 15 europäische Staaten vor potenziellen Herabstufungen ihrer Kreditwürdigkeit warnte, wird das Buhlen zwischen den einzelnen Nationen um die Gunst der Bondinvestoren immer härter. Als ob der zu refinanzierende Gesamtbetrag nicht schon groß genug wäre kommt hinzu, dass eine ganze Reihe von Regierungsbudgets immer noch Defizite aufweisen. Auf diese Weise wachsen die Schuldenberge in Zeiten der Krise auch noch, woraus schon sehr bald ein enormes Problem erwachsen wird. Während die größten Schuldnerländer im Jahr 2011 relativ wenige Schwierigkeiten dabei hatten, ihre Schuldenberge zu refinanzieren, dürfte sich diese Situation im neuen Jahr definitiv ändern. Einen kleinen Vorgeschmack lieferte die Bondauktion Italiens am 29. Dezember.

Während das Land ursprünglich Staatsanleihen in einem Gegenwert von €8,5 Milliarden an den Bondmärkten emittieren wollte, zeigten sich die Anleger dagegen nur zu einer Zeichnung von €7 Milliarden bereit. Allein Italien wird in 2017 einen Betrag von $428 Milliarden an den Märkten aufnehmen müssen. Hinzu kommen $70 Milliarden an Zinszahlungen, die das schuldengeplagte Land in diesem Jahr an seine Investoren zu berappen haben wird. Berechnungen gehen davon aus, dass die Kreditkosten der G7-Länder im Angesicht allgemein steigender Zinssätze um rund 40 Prozent steigen werden. Unter den europäischen Staaten folgt gleich hinter Italien die Pariser Regierung, die einer Kapitalaufnahme von $367 Milliarden entgegen blickt. Deutschlands Refinanzierungsbedarf wird bei rund $285 Milliarden liegen. Während der Kapitalbedarf der europäischen Nationen immer stärker wächst, ist nach den Bailouts von Griechenland, Portugal und Irland ein Teil der ehemaligen Käuferbasis weggebrochen. Zu groß ist das Misstrauen unter den Bondanlegern in die Fähigkeit von Europas Staatsführern, eine Lösung für die seit Mai 2010 um sich greifende Krise zu finden.

Publizist: Martin Wirth